Ausgabe vom 27.12.2025 Seite 22
Suchbegriffe 27.12.2025 22
Aus Angst und Scham jahrelang geschwiegen Gewalt gegen Frauen: Emsdettenerin erzählt ihre Geschichte EMSDETTEN. âMarkt und StraÃen stehn verlassen, still erleuchtet jedes Haus; sinnend geh ich durch die Gassen, alles sieht so festlich aus. An den Fenstern haben Frauen buntes Spielzeug fromm geschmückt; tausend Kindlein stehn und schauen, sind so wunderstill beglückt.â Hätte der Dichter Joseph von Eichendorff einen Blick hinter die bunt geschmückten Fenster in die Wohnstuben des 19. Jahrhunderts geworfen, hätte er viel Elend gesehen. Die Verse seines Weihnachtsgedichtes wären vermutlich weniger verklärend ausgefallen. Tatsächlich war in nicht wenigen dieser still erleuchteten Häuser Gewalt, insbesondere jene gegen Frauen, an der Tagesordnung. Auch damals wird Weihnachten nicht überall das Fest der Liebe gewesen sein. Massive Gewalt gegen Frauen, insbesondere häusliche und sexuelle Gewalt, wurde als legitimer Teil der patriarchalen Ordnung betrachtet, begünstigt durch die rechtliche und gesellschaftliche Unterordnung der Frau. Trotz aller Bemühungen der Frauenbewegung, die sich für Rechte, Bildung und Selbstbestimmung von Frauen und für Reformen einsetzte, blieben viele Ungerechtigkeiten, Ungleichheiten und ...
