Ausgabe vom 25.04.2026 Seite 11

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Ein Kammerspiel um Wut und Frust Der neue „Tatort“ aus Wien Wien. Sie sind zu Hause, wo niemand wohnen will: im schäbigen Gebäude einer sozialpädagogischen Wohngemeinschaft mit dem fast zynischen Namen „Sonnenhof“ am Rand von Wien. Für die 14- bis 18-jährigen „Klienten“, wie sie genannt werden, ist das Areal zwar eine Zuflucht, aber auch ein Signal, wie sehr abgeschoben sie sind, wie weit weg von der Gesellschaft, wie fern der Hoffnung auf ein gelingendes Leben. Es herrscht eine oft beklemmende Atmosphäre. Tränen, Wutausbrüche, Hass – das Regulieren von Emotionen funktioniert einfach nicht. Und dann ist plötzlich auch noch der Leiter der Wohngruppe tot. In der „Tatort“-Folge „Gegen die Zeit“ werden die Mord-Ermittlungen von Oberstleutnant Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Majorin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) über weite Strecken wie ein filmisches Kammerspiel inszeniert. Fast jede Action im Sinne von Blaulicht-Einsätzen ist verbannt, keine aufwendige Spurensuche am Tatort, keine Obduktion mit launigen Bemerkungen der Gerichtsmediziner. Es wird stattdessen geredet – und gebrüllt. „Da kriegt man ja Schädelweh“, sagt Fellner nach einem Schreiduell mit einem ...