Ausgabe vom 02.01.2026 Seite 5
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Merz ändert seinen Ton LeitartikelNeujahrsansprache des Bundeskanzlers Dieser Wechsel der Tonart ist alles andere als zufällig. In seiner ersten Neujahrsansprache als Bundeskanzler äuÃert sich Friedrich Merz (CDU) viel wägender und vorsichtiger, als man es von ihm kennt. Ja, Opposition mag Mist sein, wie Franz Müntefering einst befand. Dafür ist sie aber auch deutlich einfacher als das Regieren in geopolitisch unübersichtlichen Zeiten und bei einer seit Jahren schlechten Wirtschaftslage mit einer Fülle struktureller Probleme. Wer es gut mit Merz meint, wird ihm nun Lernfähigkeit attestieren. Alle anderen werden darauf verweisen, dass der Sauerländer zuvor den Mund schlicht zu voll genommen hat. Sommer des Aufbruchs, Herbst der Reformen? Bisher alles nicht viel mehr als überzogene Versprechungen. Merz wirkte müde und angestrengt â ganz so, als hätten ihn die ersten acht Monate im Amt arg ernüchtert. Das steht in einem unübersehbaren Kontrast zu der Zuversicht, die der Kanzler doch gerade stiften will. Es ist eine Rede, die auf halber Strecke zwischen Zutrauen und Zumutungen stecken bleibt. Weil Merz sich das eine nicht mehr traut und das andere in letzter Konsequenz scheut. Auch das übrigens musste er als Kanzler lernen: Die ...
