Ausgabe vom 29.05.2026 Seite 5

Suchbegriffe 29.05.2026    5


Reformen als Prüfstein LeitartikelDebatte um Kanzler Merz Politik ist ein hartes Geschäft: Läuft es gut, gibt es selten Applaus. Läuft es schlecht, werden aus Parteifreunden rasch Parteifeinde.Dann treten die Heckenschützen auf den Plan, die die Demontage gezielt vorantreiben. Und oft schwappt eine mediale Welle mit, in der sich manche genüsslich an der eigenen Kritik berauschen – während der differenzierte Blick dabei verloren geht. Man erinnere sich an den Fall des Bundespräsidenten Christian Wulff. Am Ende wurde gar ein Bobby-Car zum Skandal aufgeblasen. Ohne Maß und Mitte. Friedrich Merz ist in solchen Dimensionen noch nicht angekommen. Aber in diesen Wochen wirkt der Kanzler wie politisches Freiwild. Gerüchte machen die Runde, jedes Wort wird seziert, aus Behauptungen werden plötzlich Gewissheiten. Merz trägt daran Mitschuld, keine Frage. Wahlkampfversprechen, die nicht gehalten wurden, handwerkliche Fehler, der ständige Koalitionskrach und die teils miserable Kommunikation haben den Frust befeuert und den Eindruck verstärkt, dem Kanzler fehle Autorität – auch in der eigenen Partei. Da muss vieles besser werden. Doch es ist ausgerechnet diese Regierung, die die großen Reformen anpacken muss, die jahrzehntelang liegen ...