Ausgabe vom 15.05.2026 Seite 4

Suchbegriffe 15.05.2026    4


„Wenn jeder nur Opfer ist, war niemand Täter“ Ex-Botschafter und Bestseller-Autor Rüdiger von Fritsch über seinen im Nationalsozialismus verstrickten Vater, Putin und den Missbrauch der Geschichte Münster. Als Rüdiger von Fritsch 2014 seinen Botschafterposten in Moskau antrat, hatte Wladimir Putin gerade die Krim annektiert. Was Russlands Überfall auf die Ukraine 2022 bedeutet, hat er im Bestseller „Zeitenwende“ erklärt. Im neuen Buch „Die Geschichte in mir“ setzt er sich mit seiner Familiengeschichte auseinander – und mit seinem Vater, der lebenslang Nationalsozialist blieb. Ein Gespräch darüber, wie der Blick zurück die Gegenwart prägt – und der Missbrauch der Geschichte die Zukunft vergiftet. Ihr Vater hat sich bis zuletzt als Nationalsozialist gesehen. Wie sehr hat das Ihr Aufwachsen beeinflusst? Rüdiger von Fritsch: Für meine Generation – ich bin Jahrgang 1953 – war der Krieg die dunkle Grundmelodie der Erzählungen der Erwachsenen, denn mit ihm war für fast alle ein unendlicher Verlust verbunden: Es ging um den Verlust von Hab und Gut, von Heimat – und von Menschen.   Meine Eltern waren beide Flüchtlinge. Brüder beider Eltern waren gefallen. Dazu kamen ...