Ausgabe vom 13.04.2026 Seite 14
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Jung getraut und lang gereut? EV-Serie â Teil 2: Von Altersunterschieden, zweiten Ehen und Teenagern vor dem Altar Wer das 19. Jahrhundert aus Romanen kennt, hat vermutlich ein Bild vor Augen, in dem ein junges Mädchen, vielleicht noch ein Teenager, ein gestandenes Mannsbild um die 30 heiratet â jemanden, der es im Leben bereits zu was gebracht hat und so dem rechtlichen Ungleichgewicht der Ehepartner noch eines der Lebenserfahrung hinzufügt. Muss uns dieses Klischee heute noch interessieren? Leider ja, weil es vor allem auch durch Filme über Generationen weitergetragen wurde und bis heute konservative Ideale prägt. Das bringt uns zu der offensichtlichen Frage, ob es überhaupt je real war. Die oben skizzierte Konstellation betraf selbst im 19. Jahrhundert vor allem die Schicht des âneuenâ Bürgertums, wo die Söhne Abitur und Militärdienst machten, Jura, Medizin oder Ingenieurwesen studierten und danach in einer Berufswelt mit neuen Hierarchien zumindest die ersten Schritte zurückzulegen hatten. Höhere Bildung für die Töchter der gleichen Familien war dagegen nur rudimentär vorhanden. Eine âpassendeâ Heirat, ein eigener Hausstand waren in dieser Konstellation einer der wenigen Auswege aus Stagnation und ...
