Ausgabe vom 12.01.2026 Seite 13

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Hafermilch-Ethik und eine Hölle namens Homeoffice Barbara Ruscher: Messerscharfes Kabarett Hans Lüttmann EMSDETTEN . Nein, so was macht man als Bühnenprofi nicht... Aber erst mal das Positive: Samstagabend, Bürgersaal, Barbara Ruscher dreht das Wort Romantik durch den kabarettistischen Fleischwolf. „Romantik, aber zack-zack!“, heißt das schnörkellos fordernde Programm der Kölnerin. Barbara Ruscher führt die Zuhörer in den von Winterwetter und Feuerwehrmusik etwas ausgedünnten Stuhlreihen durch den absurden Slalomlauf unserer Zeit – zwischen Homeoffice-Hölle, Lastenrad-Logistik und der Angst, beim nächsten Trend zur Selbstverwirklichung nicht schnell genug „Hier!“ zu rufen. Ruscher ist die Chronistin einer Gesellschaft, die ihre Vernunft in Achtsamkeitsübungen, Hafermilch-Ethik und modernem Optimierungswahn ertränkt. Die Meisterin der trockenen Pointe braucht keine wiehernden Brüller oder krachenden Schenkelklopfer, ihr Humor lebt von der wohltuenden Lust an der messerscharfen Zuspitzung. Am besten wird ihre entlarvende Offenlegung menschlicher Schwächen, wenn sie zur elektrisch verstärkten Ukulele greift, sich an den Flügel setzt oder wenn sie zum Takt einer Espressokanne oder mit einem Paar ...