Ausgabe vom 22.05.2026 Seite 18
Suchbegriffe 22.05.2026 18
Der Schweià der Götter Von Heinz Bücker Seit Jahrtausenden ist es von Mythen umrankt. Es gilt als göttlich, unzerstörbar, als magischer Bringer von Reichtum. Als kostbarstes Metall wird es begehrt wie kein anderes. Kulturell gilt es als âSchweià der Götterâ. Dabei ist es chemisch betrachtet nichts weiter als ein seltenes Element mit hübschem Glanz. Es erzielt keinerlei Erträge aus Zinsen, Mieteinnahmen oder Gewinnausschüttungen. Und doch setzt es Kräfte frei, die ganze Reiche erschüttern. Für Gold wurden Kriege geführt und Kontinente geplündert. Neid, Gier, Habsucht â das Metall wirkt wie ein Verstärker menschlicher Schwächen. Gleichzeitig dient es als Synonym für Schönheit, Wertigkeit, sogar erotische Ausstrahlung. âGoldstandardâ, âGoldstückâ, âgoldene Zeitenâ â unser Sprachschatz verrät, wie tief die Verehrung sitzt. Ein besonders schönes Kapitel dieser kollektiven Verblendung schrieb Johann Kunckel. Zwischen 1685 und 1689 durfte er im Auftrag des GroÃen Kurfürsten Friedrich Wilhelm auf der Pfaueninsel bei Berlin ungestört Gold herstellen â zumindest versuchen. Das Wunder blieb aus. Statt Gold erfand er Goldrubinglas. Der Staat wurde nicht reicher, ...
