Ausgabe vom 19.06.2026 Seite 19

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Der „Sell-in-May-Effekt“ Von Heinz Bücker Der „Sell-in-May“-Effekt gehört zu den absoluten Klassikern unter den Börsenweisheiten. Der vollständige Spruch lautet:„Sell in May and go away, but don‘t forget to come back on St. Leger’s Day“. Die Botschaft dahinter ist ebenso simpel wie verführerisch: Aktien im Mai verkaufen, den Sommer entspannt genießen und im Herbst günstiger wieder einsteigen. Klingt nach der perfekten Strategie. Der Ursprung dieser Börsenregel reicht mehrere Jahrhunderte zurück. Wohlhabende Londoner Banker und Adelige machten damals im Sommer schlicht das, was Wohlhabende eben gerne tun: Sie zogen aufs Land und gönnten sich eine ausgedehnte Saisonpause. Gehandelt wurde in dieser Zeit deutlich weniger – schließlich lassen sich Börsengeschäfte nur schwer zwischen Picknickdecke und Pferdestall erledigen. Ohne die großen Marktteilnehmer passierte wenig an den Börsen. Die Dividendensaison war vorbei, die Ausschüttungen kassiert und die Luft zunächst einmal raus. Zurück kehrte die feine Gesellschaft traditionell im September zum St. Leger‘s Day in Doncaster. Dort findet bis heute das älteste und prestigeträchtigste Pferderennen Großbritanniens statt. Fest ...