Ausgabe vom 24.04.2026 Seite 19

Suchbegriffe 24.04.2026    19


Selbstgewissheit, Zeit und Besonnenheit Von Heinz Bücker Ein Grundübel unserer Zeit liegt darin, dass sich die Dummen ihrer Sache völlig sicher sind, während die Klugen zweifeln“, schrieb vor hundert Jahren der britische Philosoph Bertrand Russel. Er wollte damit kein Urteil über Intelligenz fällen, sondern nur den Unterschied zwischen Selbstgewissheit und Besonnenheit deutlich machen. Selbstgewissheit beschreibt, dass jemand ein sicheres Vertrauen in sich selbst und seine Fähigkeiten hat. Die Börsenratgeber sind heute voll von Anlageempfehlungen, die jedoch oft auf schnellen Urteilen und Selbstgewissheit fußen. In einer solchen Welt haben es die Vorsichtigen schwer. Doch wer glaubt, den einen Trend gefunden zu haben, der die Kurse an Finanzmärkten nach oben treibt, mag kurzfristig belohnt werden. Doch langfristig fährt derjenige besser, der die Risiken kennt, als derjenige, der sie ignoriert. An den Kapitalmärkten ist Selbstgewissheit allein also kein Garant für Richtigkeit. Und vielleicht liegt darin auch der wahre Wert der Diversifikation. Sie ist weniger ein Ausdruck von Unsicherheit als von Erfahrung – der Erfahrung, dass Selbstgewissheit selten von Dauer ist. Wer über Jahre hinweg eigene Erfahrungen gesammelt hat, ...